Gürtel

Ich geh mit dir, wohin du willst: Der Gürtel & wir. Eine Erfolgsgeschichte

Er hält zusammen, was zusammengehört und zieht nach oben, was dort auch lieber bleiben sollte: der Gürtel. Ein unterschätztes Accessoire, das eigentlich jeder in mindestens doppelter Ausführung im Schrank hat und doch niemand so richtig beachtet.

Oder kennst du seine Erfolgsgeschichte von Altertum bis heute? Ich schon. Seit gestern.

Die ersten Gürtel der Welt

Fangen wir mit dem Wichtigsten an. Was heißt „Gürtel“ überhaupt?

Also, vermutlich stammt der Begriff vom indogermanischen ĝher ab und meint „umzäunen“ oder „einfassen“… Okay, wir tragen also eine Art Zaun um den Bauch. Das hat man wahrscheinlich eher nicht vermutet. Der Verwendungszweck war übrigens damals wie heute Schmuck und Halt, allerdings wurde der Gürtel früher auch zum Anhängen von Gegenständen genutzt (z.B. Taschen mit einer ähnlichen Funktion wie unsere heutige Geldbörse oder die verpönten Bauchtaschen).

Den Wunsch, die Taille zu betonen und zu verzieren, gab es demnach auch schon im Altertum. Teilweise sollten Gürtel aber auch die Last abnehmen, die schwere Gewänder sonst allein auf den Schultern des Trägers verteilten. Manche (Natur)Völker trugen ihn auch als kultischen Gründen: Zur Abwehr von Unheil, als Symbol von Stärke oder als optisches Mittel der sozialen Abgrenzung.

Frühe Modelle aus der Zeit der Assyrer und Babylonier (2150 v. Chr.) bestanden meist aus Stoff- oder Fellstreifen, manchmal auch aus bemalten Lederriemen, die auch mit Goldplatten verziert sein konnten. Ägypter trugen teilweise Gürtel mit Edelsteinbesatz oder Perlenbändern. Damals schon wurden die Schnallen kunstvoll verziert und beispielsweise zu Figuren geformt.

Die Römer nutzten den Gürtel übrigens als Mittel zur sozialen Abgrenzung: Zenturionen trugen ihn höher als andere, Frauen tiefer als Männer. Unfreie, Gaukler und Dirnen durften dagegen gar keine Gürtel tragen. Frechheit.

Der bunte Gürtel im dunklen Mittelalter

Im Mittelalter bekam der Gürtel eine Reihe von Bedeutungen: Er wurde zum Symbol von Stärke, Herrschaft, Treue in der Ehe und Keuschheit. (Der berühmte Keuschheitsgürtel wurde daher auch nicht von Prostituierten getragen.) Manche sagten ihm auch magische Kräfte nach. Zu dieser Zeit setzte man vor allem auf bunt bestickte Bandgürtel, die teilweise so lang waren, dass man sie doppelt umwickelte.

Die schmucke Version der Neuzeit

Später stand der schmückende Aspekt im Vordergrund: Zur Zeit der spanischen Modeherrschaft (ab 1550 bis 1650) sahen Gürtel aus wie Ketten, die passend zum restlichen Schmuck getragen wurden. Anschließend verlor er seine Berechtigung und wurde zeitweilig durch eine Schärpe ersetzt, ab 1835 trug die moderne Frau schließlich gar keinen Gürtel und keine Schärpe mehr, sondern band sich eine Schleife um die Taille ihres Kleides.

Grüner Gürtel

Ab 1890 feierte er jedoch sein Comeback und wurde vor allem bei Männern zum unverzichtbaren Begleiter. Durch den Wegfall der Weste waren nämlich die wenig charmanten Hosenträger sichtbar, die Mann alsbald durch den Gürtel ersetzte.

Und auch die Frauen griffen wieder zum modischen Bauchzaun, da sich aus dem Kleid ein Zweiteiler aus Bluse und Rock entwickelt hatte. Die taillenlose Mode der 1920er verbannte den Frauengürtel zwar zeitweilig wieder, doch schon 10 Jahre später feierte er seine Rückkehr und ist seitdem in jedem Kleiderschrank zu finden.

Ich für meinen Teil kann auf 15 verschiedene Modelle zurückgreifen und nachdem ich jetzt weiß, was der Gürtel in seinem langen Leben schon alles mitgemacht hat, trage ich ihn gern mehrmals täglich aus. Das hat er sich verdient.

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